Erinnerung an eine Reise

Albert Longchamp

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Albert Longchamp, « Erinnerung an eine Reise », Revue Quart Monde [En ligne], 217 | 2011/1, mis en ligne le 01 mars 2026, consulté le 28 mars 2026. URL : /11935

Im September 2010 nahm Albert Longchamp am Weltkongress der Internationalen Katholischen Presse-Union UCIP in Ouagadougou (Burkina Faso) teil. Mit seinen Kollegen besuchte er das Dorf Manéga, etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Dort gibt es ein Museum, das der Kunst und den Traditionen des Landes gewidmet ist...

Wie überrascht und bewegt war ich, als ich an diesem Ort die „Heilige afrikanische Platte“ entdeckte: eine riesige Steinplatte in der Form des afrikanischen Kontinents1 – eingeweiht am 12. Februar 1996, dem Geburtstag von Père Joseph Wresinski! Erst als ich den Namen des Gründers von ATD Vierte Welt in der Inschrift am Fusse des Platzes las, verstand ich die Verbindung zwischen der afrikanischen Platte und ihrem Gegenstück in Paris auf dem Platz der Grundfreiheiten und Menschenrechte! Ich war auch deshalb so erschüttert, weil ich bis dahin nichts von dieser Initiative gewusst hatte! Der Gründer des Museums, Frédéric Titinga Pacéré, ein bekannter Anwalt aus Burkina Faso, erklärte uns persönlich was es bedeutet, dass mitten im Busch die Erkenntnisse von Père Joseph und die Anliegen, für die er sich einsetzte, präsent sind.

Als „Jojo“ uns zurechtwies…

In diesem Moment erinnerte ich mich an meine erste Begegnung mit Joseph Wresinski an einem Sonntag im August 1960 in Noisy-le-Grand. Ich war noch keine zwanzig Jahre alt. Zusammen mit einigen Studenten aus der Schweiz hatten wir für die Kinder eines Slums in der Nähe der Pariser Vororte Ferien in den Alpen organisiert. Der „Empfang“ von Père Joseph war alles andere als herzlich! «Albert, morgen bist du in La Campa, das wird dir eine Lehre sein!» Das Elendsviertel von La Campa grenzte an den Park von La Courneuve. Ich liess mich nicht entmutigen und blieb viele Jahre lang mit „Jojo“ in Verbindung, der Spitzname, den der «Vater» bei den – häufigen – Auseinandersetzungen erhielt, bei denen er unsere Gewissheiten rüde anpackte.

„Jojo“ in Manéga zu finden! Was für eine Gnade! Diese Gedenkplatte, eine Fläche von etwa tausend Quadratmetern, wird von einem Denkmal überragt, auf dem in Französisch und Mooré (erste Landessprache von Burkina Faso) der bekannte Satz steht, der auf dem Trocadéro-Platz in den Boden eingraviert ist: „Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben, werden die Menschenrechte verletzt. Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen, ist heilige Pflicht“. In Manéga kann man auch eine andere Überzeugung von Père Joseph entdecken: „Jeder Mensch trägt die Chance des Menschseins in sich.“ Diese Worte spiegeln die tiefen Gedanken dieses unbequemen und unersetzlichen Propheten wider, dieses Kämpfers gegen die Ungerechtigkeit des Elends … eine Geissel, die in Afrika immer noch sehr präsent ist. Die Hauptstadt Ouagadougou, in der luxuriöse Häuser neben überfüllten Grundstücken stehen, ist nur ein Beispiel dafür …

Eines Tages werden die Armen in den Tanz eintreten

Die «Afrikanische Platte» unterscheidet sich von ihrer Pariser Inspiration durch die ihr eigene bewegende Symbolik. Unter dem Boden des Platzes wurde sorgfältig etwas Erde aus vierundzwanzig Ländern hinzugefügt. Die Erde stammt vom Grab von Père Joseph in Méry-sur-Oise, aber auch aus dem Sklavenhaus auf der Insel Gorée, aus der Gefängniszelle von Nelson Mandela und aus einer Grube, in die 1998 die Überreste von Hunderten von Opfern des Völkermords in Ruanda geworfen wurden.

Afrika zeigt hier, dass es nicht aufgeben will. Ein letztes Bild von diesem denkwürdigen Tag beweist dies. Anlässlich unseres Besuchs umringten uns Tausende von Dorfbewohnern aus der Ferne, während ein üppiges ländliches Buffet auf die Gäste wartete. Plötzlich ein Gewitter! Aus einem dunklen Himmel strömten Wassermassen, die Zuschauer, Gäste, Tänzer, Flötenspieler und Trommler dazu zwangen, einen Unterstand zu suchen. Als sich die Wolken verzogen, tanzten sie weiter, barfuss durch den Schlamm. Ich ging fast allein nach vorne, um das Spektakel aus der Nähe der Akteure zu geniessen. Einige Kinder gesellten sich schüchtern zu mir, gefolgt von mutigeren Teenagern und Erwachsenen, die mich schliesslich ignorierten und in die letzte Reihe verbannten… Ich sah nichts mehr von der Bühne ausser Lockenköpfen und war … begeistert! Ja, wirklich! Was für ein prächtiges Bild: Eines Tages werden die Armen, die vom Wachstum vergessen wurden, in den Tanz einsteigen und an uns vorbeiziehen und ihre Befreiung besingen.

Übersetzung: Perry Proellochs und Marie-Rose Blunschi, September 2022, für die Webseite von ATD Vierte Welt Schweiz .

1 Siehe: https://manega.net/index.php/la-dalle/

1 Siehe: https://manega.net/index.php/la-dalle/

Albert Longchamp

Albert Longchamp (1941-2022), Jesuit in Genf, Journalist, langjähriger Kolumnist bei „Témoignage Chrétien“.

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